Dortmund-Dorstfeld: Von einem „Mia Julia“-Auftritt und zahllosen Polizeischikanen

Dortmunds Polizei hatte offenbar die Vermutung, daß „Neonazis“ den Auftritt der Schlagersängerin „Mia Julia“ beim Musikfest „Dortmund Olé“ stören könnten – die Sängerin hatte für Empörung gesorgt, nachdem sie im Juni 2016 auf Mallorca gegen eine Gruppe Rechter pöbelte, welche am Rande eines Auftrittes mit einer schwarz-weiß-roten Fahne posierten.

Warum die Polizei jedoch der Annahme war, daß deshalb ein besonderer Fokus auf den Auftritt der Sängerin im Dortmunder Revierpark Wischlingen zu legen wäre, bleibt wohl das Geheimnis der Behörde, immerhin freute sich „Mia Julia“ nach dem „Mallorca-Skandal“ über enorme Medienaufmerksamkeit und es gehört sicherlich nicht zu den dringendsten Aufgaben nationaler Aktivisten, einer zweitklassigen Schlagersängerin zu weiterer PR zu verhelfen.

Nichtsdestotrotz rückte die Polizei am Samstag (8. Juli 2017) in den Mittagsstunden mit einem Großaufgebot im Stadtteil Dorstfeld ein, um sich zunächst stundenlang die Beine in den umgangssprachlichen Bauch zu stehen oder handyspielend in den Polizeibullis zu verweilen. Irgendwann wurde es den Polizisten, die sich überwiegend aus der 2. Bochumer Einsatzhundertschaft zusammensetzten, offenbar zu langweilig, sodaß sich die weitere Zeit mit Schikanen gegen rechte Anwohner vertrieben wurde.

Platzverweis für Privatgrundstück, Gewahrsam für 30 Euro

Während in Hamburg ein militanter Mob – begünstigt durch die Unfähigkeit der Polizei – die Stadt zerlegt, haben die verbliebenen Reste der Polizeikräfte in Dortmund dringendere Probleme erkannt: Gegen 18.00 Uhr kontrollierten etwa 20 Polizeibeamte eine ebensogroße Gruppe von Nationalisten, die sich im Bereich Emscherstraße / Thusneldastraße mit einer Bierzeltgarnitur befand und dort in geselliger Runde verweilte. Die Polizeibeamten vertraten die eigenwillige Theorie, daß für diese Bierbank, die einige Zentimeter über die Grenze des Privatgrundstücks reichte, eine Sondernutzungsgenehmigung benötigt werde und erteilten nach rund einstündiger Kontrolle Platzverweise für einen Umkreis von etwa fünf Metern. Wahrlich ein großer Erfolg für die Verteidiger der öffentlichen Ordnung, welche die Lebensqualität aller Dorstfelder Bürger deutlich steigert.

Ebenso bezeichnend wie der unnötige Polizeieinsatz war ein weiterer Umstand: Eine kontrollierte Person hatte eine offene Geldstrafe in Höhe von 30 Euro – statt die Bezahlung vor Ort zu quittieren, nahmen die Polizisten die Person in Gewahrsam und verschleppten diese zur nächsten Wache. Ähnlich erging es gegen 19.15 Uhr einem anderen Mann, der angeblich eine abfällige Bemerkung über das Verhalten der Polizeikräfte gemacht hatte und im Bereich des Dorstfelder Hellweges ebenfalls in Gewahrsam genommen wurde.

Um diesem Treiben noch die Krönung aufzusetzen, beschlagnahmten die Polizeibeamten in dieser Situation sogar das Mobiltelefon eines anderen Aktivisten, welcher die Festnahme filmte. Angeblich, so die Beamten, hätte das Filmen einer öffentlichen Handlung das „Recht am eigenen Wort“ der Polizisten verletzt, welche während der Filmaufnahme auf den Filmer zugingen (in das Video liefen) und ihn aufforderten, sich auszuweisen. Obwohl diese Handlungen der Polizisten rechtswidrig sind und ein Nationalist erst im Februar 2017 wegen einem nahezu identischem Fall Schadensersatzansprüche gegen die Polizei Dortmund geltend gemacht hatte, wird eine solche Praxis offenbar weiterhin angewandt, denn eine Bestrafung müssen Polizisten nur in den seltensten Fällen fürchten.

Bis in die Nacht zeigte die Polizei im übrigen weiter Präsenz in Dorstfeld. Nachdem sich die Beamten mit den erwähnten Schikanen ausgetobt hatten, zogen sie sich jedoch irgendwann in ihre Fahrzeuge auf dem Wilhelmplatz zurück und schlugen sich die restliche Zeit „um die Ohren“.


Abteilung Staatsgefahr: Eine Bierzeltgarnitur im öffentlichen Raum

Polizeiliches Abreagieren an Dorstfelder Bevölkerung

Der gesamte Einsatz vermittelte den Eindruck, daß zunächst durch die Polizei ein Einsatzanlaß ausgemalt wurde, für den es keine konkreten Anlässe gab, um anschließend das hohe Aufgebot rechtfertigen zu müssen. Ob die Polizeibeamten der Bochumer Einsatzhundertschaft schlichtweg gelangweilt waren und sich mit Schikanen gegenüber rechten Anwohnern „austobten“ (bzw. von ihrem Alltagsfrust abreagieren wollten) oder es sich um eine konkrete Anweisung der Polizeiführung handelte, kann nur spekuliert werden. Fest steht aber, daß solche Vorgehensweisen befremdlich sind und zeigen, daß selbst bei einer angespannten Kräftelage der Polizei Dortmund Beamte für einen politisch motivierten „Kleinkrieg“ der politisch motivierten Entscheidungsträger aus dem Polizeipräsidium bereitgestellt werden.

Erfreulicherweise bemerken das aber auch immer mehr Anwohner und Passanten. Als eine Gruppe junger Menschen beispielsweise eine der Polizeikontrollen passierte, fragte ein junger Mann seinen Begleiter: „Was ist da denn los?“. Der Begleiter, offenbar nicht das erste Mal in Dorstfeld unterwegs, antwortete trocken: „Die stressen schon wieder diese Partei, das ist einfach Schikane von der Polizei.

Quelle: DortmundEcho

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