Notunterkunft: Zu schlecht für Asylanten, aber gut genug für deutsche Obdachlose?!

Über zwei Jahre existierte an der Adlerstraße im Dortmunder Unionviertel eine sogenannte Notunterkunft für Asylanten, bei der sich mehrere Personen ein Zimmer teilen mußten. Ziel der Stadt war es, diese Unterkunft mittelfristig zu schließen und die Bewohner stadtweit in reguläre Mietverhältnisse zu verteilen und damit zu einer weiteren Verschärfung des Wohnungsmarktes beizutragen.

Begründet wurde dieser Schritt mit den katastrophalen Bedingungen, die in der Notunterkunft vorgeherrscht hätten, bei der es beispielsweise keine Privatsphäre gab und Streitereien durch die hohe Belegung an der Tagesordnung waren. Während es durchaus nachvollziehbar klingt, daß eine solche Unterkunft für die Bewohner nicht sonderlich angenehm ist, sollte jedoch andererseits anzunehmen sein, daß Menschen, die vor einem Krieg fliehen, froh sein sollten, überhaupt ein Dach über dem Kopf zu haben – offenbar ist das aber falsch gedacht. Doch fast schon perfide sind die neuen Pläne für eine Folgenutzung, nachdem die Türen des Asylheims geschlossen worden sind: Genau in der Unterkunft, die für Asylanten nicht mehr zumutbar war, sollen zukünftig deutsche Obdachlose leben – in überfüllten Zimmern und unter hygienisch katastrophalen Bedingungen. Offenbar werden deutsche Obdachlose von der Dortmunder Stadtverwaltung als Menschen zweiter Klasse angesehen, denen eine solche Unterkunft – im Gegensatz zu Asylanten – durchaus zumutbar ist.

Renovierungsarbeiten in Unterkunft an der Unionstraße

Bisher konnte zumindest ein kleiner Teil der Obdachlosen auf die Notschlafstelle an der Unionstraße zurückgreifen, auch hier gab es in der Vergangenheit jedoch regelmäßig Kritik über die untragbaren hygienischen und sicherheitstechnischen Zustände, sowie den Übernachtungspreis von acht Euro, der für einen Bedürftigen durchaus nicht „aus der Portokasse“ erbracht werden kann. Zukünftig stehen an der Unionstraße jedoch Renovierungsarbeiten an, sodaß die Stadt mit der Unterkunft an der Adlerstraße eine Alternative schaffen möchte, die letztendlich nur ein weiterer Schlag ins Gesicht obdachloser Mitbürger ist.

Schon seit längerer Zeit gibt es scharfe Kritik an der städtischen Obdachlosenpolitik: Während stadteigene und stadtnahe Projekte, etwa das „Gasthaus“ an der Unionstraße, gefördert und beworben werden, bleiben private Initiativen, die sich im Bereich der Obdachlosenhilfe ehrenamtlich engagieren, unberücksichtigt. Das Verhalten der Stadtführung vermittelt den Eindruck, daß zwischen „guter“ und „schlechter“ Hilfe unterschieden wird, sowie ein Kampf um Kompetenzen ausgetragen wird, der letztendlich auf dem Rücken derjenigen stattfindet, die jede Art von Hilfe dringend benötigen. Und vor allem benötigen diese Menschen eine angemessene Behandlung, die nicht unter dem Motto „Für Asylanten unbewohnbar, für deutsche Obdachlose immernoch gut genug“ steht.

Quelle: DortmundEcho

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